Keilriemen messen: Innenlänge, Richtlänge, Außenlänge
Kurz gesagt
Ein Keilriemen trägt drei verschiedene Längenmaße: die Innenlänge Li (am Riemeninneren), die Richtlänge Ld (in der neutralen Faser, auch Lw oder Lp) und die Außenlänge La (am Riemenrücken). Welches dieser Maße die Zahl in der Bezeichnung codiert, hängt von der Norm ab — klassische Profile nach DIN 2215 führen die Innenlänge in Zoll, Schmalkeilprofile nach DIN 7753-1 die Richtlänge in Millimetern. Die Differenz zwischen den Maßen ist je Profil fest und beträgt bis zu 157 mm.
Warum ein Keilriemen drei Längen hat
Der Riemenquerschnitt ist ein Trapez. Beim Umlauf über die Scheibe wird der Riemenrücken gedehnt, die Riemeninnenseite gestaucht — dazwischen liegt eine Schicht, deren Länge sich beim Biegen nicht ändert: die neutrale Faser. Dort wird die Richtlänge Ld gemessen. Sie ist das rechnerische Bezugsmaß der Antriebsauslegung, weil sie zum Richtdurchmesser dd der Scheibe passt (bei Schmalkeilriemen wird sie auch als Lw oder Lp geführt).
Die Innenlänge Li ist das Maß, das sich am ausgebauten Riemen am einfachsten mit Maßband oder Schnur abnehmen lässt; die Außenlänge La ist das Maß über den Riemenrücken. Alle drei beschreiben denselben Riemen — sie unterscheiden sich nur durch den Umfangszuschlag, der aus der Riemenhöhe folgt. Je höher der Querschnitt, desto größer die Differenz: beim Profil 10 (Z) liegen zwischen Li und La 38 mm, beim Profil 40 (E) sind es 157 mm.
Die drei Längenmaße am Beispiel eines Riemens C97 (Profil 22)
Welches Maß die Zahl in der Bezeichnung codiert
Hier entstehen die meisten Fehlbestellungen: Die Zahl hinter der Profilkennung ist kein einheitliches Längenmaß, sondern hängt an der Norm, nach der das Profil geführt wird.
Klassische Keilriemen nach DIN 2215 (Profile 5, 6/Y, 8, 10/Z, 13/A, 17/B, 20, 22/C, 25, 32/D, 40/E): Die Zahl ist die Innenlänge in Zoll. Ein C97 hat also 97 × 25,4 mm = 2464 mm Innenlänge. Für die Auslegung zählt aber die Richtlänge — beim Profil 22 sind das 2522 mm.
Schmalkeilriemen nach DIN 7753-1 (SPZ, SPA, SPB, SPC sowie die flankenoffenen XPZ, XPA, XPB, XPC): Die Zahl ist die Richtlänge in Millimetern. Ein SPA 1900 hat Ld = 1900 mm; die Innenlänge beträgt 1855 mm, die Außenlänge 1918 mm.
ARPM-Profile (3V/9N, 5V/15N, 8V/25N): Die Zahl codiert die Außenlänge La in Zoll-Zehnteln. Ein 3V1320 misst 132,0 Zoll-Zehntel und hat damit La = 3.353 mm, Li = 3.311 mm und Ld = 3.349 mm.
Zollwerte lassen sich mit dem Einheitenrechner umrechnen; der exakte Faktor ist 1 Zoll = 25,4 mm.
Schritt für Schritt: Länge am Altriemen bestimmen
- Aufdruck zuerst prüfen. Ist die Bezeichnung auf dem Riemenrücken noch lesbar, dient die Messung nur der Kontrolle; bestellt wird stets nach der Bezeichnung, nicht nach dem Messwert.
- Riemen entspannt auflegen. Den ausgebauten Riemen flach und ohne Zug auf eine ebene Fläche legen — jede Zugkraft beim Messen verfälscht das Ergebnis nach oben.
- Innenlänge mit Maßband abgreifen. Ein flexibles Maßband an der Riemeninnenseite umlaufend anlegen und den Umfang ablesen — das ist Li.
- Alternative Schnur-Methode. Ohne Maßband eine nicht dehnbare Schnur innen umlaufend anlegen, Überlappungspunkt markieren, dann gestreckt an einem Stahlmaßstab ablesen (für die Zuordnung zum Normmaß ausreichend genau).
- Profil bestimmen. Obere Querschnittsbreite und Höhe messen und mit der Tabelle unten abgleichen. Ein gelängter, eingelaufener Riemen ist an den Flanken abgetragen — im Zweifel die Scheibenrille als Referenz nehmen.
- Auf das Normmaß umrechnen. Mit den festen Differenzen je Profil auf das Maß umrechnen, das die gesuchte Bezeichnung codiert.
Welches Maß liegt vor — und was muss ich daraus machen?
- Ich habe am Altriemen innen gemessen (Li) und suche ein klassisches Profil (A/B/C/D).Li durch 25,4 teilen und auf den nächsten ganzen Zollwert runden — das ist die Zahl der Bezeichnung.
- Ich habe Li gemessen und brauche ein Schmalkeilprofil (SPZ/SPA/SPB/SPC).Profilspezifische Differenz auf Li addieren (z. B. + 45 mm bei SPA) — das Ergebnis ist die Richtlänge Ld und damit die Zahl der Bezeichnung.
- Auf der Zeichnung oder in der Auslegung steht eine Richtlänge Ld.Ld direkt für Schmalkeilprofile verwenden; für klassische Profile erst die Differenz abziehen, dann durch 25,4 teilen.
- Kein Altriemen vorhanden.Richtdurchmesser dd beider Scheiben und Achsabstand aufnehmen und die Richtlänge rechnerisch bestimmen.
Ohne Altriemen: über Scheiben und Achsabstand
Fehlt der Altriemen, wird die Richtlänge aus der Geometrie des Antriebs bestimmt. Benötigt werden der Richtdurchmesser dd beider Scheiben und der Achsabstand. Wichtig: dd ist nicht der Außendurchmesser der Scheibe, sondern der Durchmesser auf Höhe der neutralen Faser — also der Außendurchmesser abzüglich der doppelten Sitztiefe der Rille. Aus dd1 und dd2 folgt zugleich die Übersetzung i = n1/n2 = dd2/dd1; praktisch sind rund 8:1 die Grenze, mit Spannrolle etwa 10:1.
Die rechnerisch ermittelte Länge wird auf das nächste genormte Längenmaß gerundet, und der Achsabstand muss so verstellbar sein, dass der Riemen ohne Hebeln aufgelegt und anschließend gespannt werden kann. Die vollständige Auslegung mit Leistungs-, Betriebs- und Umschlingungsfaktoren ist im Keilriemen-Antriebsleitfaden beschrieben.
Jedes Profil hat außerdem einen kleinsten zulässigen Richtdurchmesser (dd min). Wird er unterschritten, ist die Biegebeanspruchung zu hoch — der Riemen fällt vorzeitig aus, unabhängig von der korrekten Länge.
Umrechnungstabelle je Profil
Die Differenzen sind konstruktiv festgelegt und gelten unabhängig von der Länge des Riemens.
| Profil | Kurzzeichen | Norm | Querschnitt b × h (mm) | Zahl codiert | Ld = Li + | La = Li + | dd min |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 5 | — | DIN 2215 | 5 × 3 | Li in Zoll | 11 mm | 19 mm | 20 mm |
| 6 | Y | DIN 2215 | 6 × 4 | Li in Zoll | 15 mm | 25 mm | 28 mm |
| 8 | — | DIN 2215 | 8 × 5 | Li in Zoll | 19 mm | 31 mm | 40 mm |
| 10 | Z | DIN 2215 | 10 × 6 | Li in Zoll | 22 mm | 38 mm | 50 mm |
| 13 | A | DIN 2215 | 13 × 8 | Li in Zoll | 30 mm | 50 mm | 71 mm |
| 17 | B | DIN 2215 | 17 × 11 | Li in Zoll | 40 mm | 69 mm | 112 mm |
| 20 | — | DIN 2215 | 20 × 12,5 | Li in Zoll | 48 mm | 79 mm | 160 mm |
| 22 | C | DIN 2215 | 22 × 14 | Li in Zoll | 58 mm | 88 mm | 180 mm |
| 25 | — | DIN 2215 | 25 × 16 | Li in Zoll | 61 mm | 100 mm | 250 mm |
| 32 | D | DIN 2215 | 32 × 20 | Li in Zoll | 75 mm | 126 mm | 355 mm |
| 40 | E | DIN 2215 | 40 × 25 | Li in Zoll | 80 mm | 157 mm | 500 mm |
| SPZ | AV10 | DIN 7753-1 | 9,7 × 8 | Ld in mm | 38 mm | 51 mm | 63 mm |
| SPA | AV13 | DIN 7753-1 | 12,7 × 10 | Ld in mm | 45 mm | 63 mm | 90 mm |
| SPB | — | DIN 7753-1 | 16,3 × 13 | Ld in mm | 60 mm | 82 mm | 140 mm |
| SPC | — | DIN 7753-1 | 22 × 18 | Ld in mm | 83 mm | 113 mm | 224 mm |
| 3V | 9N | ARPM | 9,5 × 8 | La in Zoll-Zehnteln | 38 mm | 42 mm | 67 mm |
| 5V | 15N | ARPM | 15,9 × 13 | La in Zoll-Zehnteln | 60 mm | 71 mm | 151 mm |
| 8V | 25N | ARPM | 25,4 × 23 | La in Zoll-Zehnteln | — | 120 mm | 315 mm |
Die Tabelle führt für die ARPM-Profile die zollbasierten Querschnittsbreiten (9,5 / 15,9 / 25,4 mm entsprechen 3/8, 5/8 und 1 Zoll); in mancher Literatur finden sich dafür auf 9 / 15 / 25 mm gerundete Angaben — gemeint ist derselbe Querschnitt.
Typische Fehler beim Nachbestellen
Gleiche Zahl, falsches Längenmaß. Wer eine Auslegung mit Ld = 2522 mm sieht und daraus C-Profil „2522“ ableitet, landet bei einem Riemen, der 58 mm zu lang ist. Umgekehrt liegt ein als Li gelesenes SPA 1900 um 45 mm daneben — beides mehr, als der übliche Spannweg ausgleicht.
Den gelängten Altriemen als Maß nehmen. Ein eingelaufener Riemen misst mehr als sein Nennmaß. Gemessen wird zur Identifikation, bestellt wird nach der genormten Bezeichnung.
Scheibenaußendurchmesser statt Richtdurchmesser. Der Rechenweg über die Scheiben liefert nur mit dd korrekte Ergebnisse.
Ausführung wechseln, ohne den Scheibendurchmesser zu prüfen. Ummantelte und flankenoffene Riemen sind bei gleichem Profil und gleicher Richtlänge einbaukompatibel, laufen aber auf unterschiedlichen Mindest-Scheibendurchmessern — flankenoffene Riemen vertragen kleinere Scheiben.
Im Satz gemischt bestellen. Bei Mehrriemenantrieben müssen alle Riemen dieselbe Profil- und Längenbezeichnung tragen, damit sich die Last gleichmäßig verteilt.
Konkrete Beispiele aus dem Sortiment: Der C97 im Profil 22 trägt Li 2464 mm, Ld 2522 mm und La 2552 mm; der SPA 1900 trägt Li 1855 mm, Ld 1900 mm und La 1918 mm. Alle drei Maße stehen auf den Produktseiten der ummantelten Keilriemen, sodass sich jede Bezeichnung gegen das gemessene Maß prüfen lässt.
FAQ
Welches Längenmaß steht in der Bezeichnung meines Keilriemens?
Das hängt von der Norm ab. Bei klassischen Profilen nach DIN 2215 (Z, A, B, C, D, E) ist die Zahl die Innenlänge in Zoll, umzurechnen mit dem Faktor 25,4. Bei Schmalkeilprofilen nach DIN 7753-1 (SPZ, SPA, SPB, SPC und deren flankenoffene Varianten) ist die Zahl die Richtlänge Ld in Millimetern. Bei den ARPM-Profilen 3V, 5V und 8V codiert die Zahl die Außenlänge La in Zoll-Zehnteln: 3V1320 sind 132,0 Zoll-Zehntel und damit La = 3.353 mm.
Wie messe ich einen Keilriemen ohne Maßband?
Mit einer nicht dehnbaren Schnur: Die Schnur an der Riemeninnenseite einmal umlaufend anlegen, den Überlappungspunkt markieren, die Schnur abnehmen und gestreckt an einem Stahlmaßstab ablesen. Das Ergebnis ist die Innenlänge Li; sie wird anschließend über die profilspezifische Differenz in Richt- oder Außenlänge umgerechnet. Der Riemen darf beim Messen nicht unter Zug stehen.
Warum ist mein nachbestellter Riemen mehrere Zentimeter zu lang?
In aller Regel wurde ein Längenmaß mit einem anderen verwechselt. Beim Profil 22 (C) liegen zwischen Innen- und Richtlänge 58 mm und zwischen Innen- und Außenlänge 88 mm; beim Profil 40 (E) sind es 80 mm beziehungsweise 157 mm. Wird eine Richtlänge aus der Auslegung als Innenlänge bestellt, ergibt sich genau diese Abweichung — meist mehr, als der Spannweg des Antriebs ausgleichen kann.
Kann ich einen ummantelten SPA durch einen flankenoffenen XPA ersetzen?
Beide Ausführungen haben denselben Querschnitt (12,7 × 10 mm) und dieselben Längendifferenzen, sind also bei gleichem Profil und gleicher Richtlänge einbaukompatibel. Zu prüfen ist der kleinste zulässige Richtdurchmesser der Scheiben: Für SPA sind 90 mm hinterlegt, für XPA 71 mm. Beim Wechsel in Richtung ummantelt darf der vorhandene Scheibendurchmesser den größeren Wert nicht unterschreiten.
Kurz gefasst
- Jeder Keilriemen hat drei Längen: Innenlänge Li, Richtlänge Ld (= Lw/Lp, neutrale Faser) und Außenlänge La. Sie unterscheiden sich um feste, profilabhängige Beträge.
- Die Zahl in der Bezeichnung meint je nach Norm ein anderes Maß: DIN 2215 = Li in Zoll, DIN 7753-1 = Ld in Millimetern, ARPM = La in Zoll-Zehnteln.
- Am Altriemen wird entspannt die Innenlänge abgegriffen — mit Maßband oder Schnur — und anschließend über die Tabelle auf das Normmaß umgerechnet.
- Ohne Altriemen liefert die Auslegung über Richtdurchmesser dd und Achsabstand die Richtlänge; dd ist nicht der Scheibenaußendurchmesser.
- Der häufigste Fehlkauf ist die richtige Zahl im falschen Längenmaß — beim Profil 22 sind das bereits 58 mm Differenz.
