
Kurz gesagt
Buchstaben vor dem Basiszeichen heißen Vorsetzzeichen. Sie kennzeichnen meist ein Einzelteil eines zerlegbaren Lagers, eine Sonderbauart oder ein abweichendes Material. Was W oder S im konkreten Fall bedeutet, ist nicht markenübergreifend festgelegt: Das Zeichen muss im Katalog oder Decoder des jeweiligen Herstellers nachgeschlagen werden.
Vorsetzzeichen: was vor der Lagernummer steht
Eine Lagerbezeichnung besteht aus einem Basiszeichen sowie Vor- und Nachsetzzeichen. Das Basiszeichen nennt Lagerart, Maßreihe und Bohrungskennzahl, etwa „6205". Alles davor ist ein Vorsetzzeichen, alles dahinter ein Nachsetzzeichen (Grundlage: DIN 623). Vorsetzzeichen betreffen typischerweise eines von drei Dingen: ein Einzelteil eines zerlegbaren Lagers, ein Sonderlager oder ein abweichendes Material bei nichtrostenden Ausführungen.
Warum die Vorsetzzeichen wichtig sind
Wer das Vorsetzzeichen übersieht, bestellt unter Umständen das falsche Teil. Bei NKE steht L für einen separaten Ring (LNU314-E = Innenring zum Zylinderrollenlager NU314-E), R für einen Außenring mit Rollensatz (RNU314-E), WS für eine Wellenscheibe und GS für eine Gehäusescheibe. Jedes dieser Zeichen beschreibt ein eigenständiges Bauteil, kein vollständiges Lager.
Vorsetzzeichen können außerdem Material oder Wärmebehandlung kennzeichnen. NTN verwendet ein eigenes Vorsetzzeichen für „Lager aus Edelstahl (nichtrostend)"; TS2-/TS3-/TS4- bezeichnen bei NTN maßstabilisierte Lager für Temperaturen bis 160/200/250 °C.
W und S: herstellerspezifisch, nicht normiert
Hier liegt der häufigste Irrtum. Die Buchstaben W und S haben keine markenübergreifend einheitliche Bedeutung. Welchen Buchstaben ein Hersteller für welche Eigenschaft vergibt, legt jeder selbst fest.
S zeigt das besonders deutlich: Bei NKE bezeichnet „S" ein Käfigmerkmal (Käfig mit Schmiernuten) und steht damit hinter dem Basiszeichen, nicht davor. Der Buchstabe allein sagt also nichts, solange Marke und Position in der Bezeichnung unbekannt sind.
Richtig vorgehen: erst die Marke bestimmen, dann das Vorsetzzeichen im herstellereigenen System nachschlagen. Den vollständigen Bezeichnungsaufbau erklärt der Pillar Lagerbezeichnungen lesen & entschlüsseln; einzelne Nachsetzzeichen schlagen Sie im Nachsetzzeichen-Glossar nach. Markenspezifische Systeme finden Sie unter FAG, NTN und NSK.
FAQ
Was ist ein Vorsetzzeichen bei einer Lagerbezeichnung?
Ein Vorsetzzeichen (Präfix) ist ein Buchstabe oder eine Buchstabenkombination vor dem Basiszeichen. Es kennzeichnet meist ein Einzelteil eines zerlegbaren Lagers, ein Sonderlager oder ein abweichendes Material. Die Bezeichnungsstruktur folgt DIN 623; die konkrete Buchstabenbelegung legt jeder Hersteller selbst fest.
Bedeutet das Präfix W immer rostfreien Stahl?
Nein. Ein Vorsetzzeichen kann grundsätzlich ein abweichendes Material anzeigen, aber welchen Buchstaben ein Hersteller dafür wählt, ist nicht normiert. Was W bei einer bestimmten Marke bedeutet, muss im Katalog oder Decoder dieses Herstellers nachgeschlagen werden.
Worin unterscheiden sich Vor- und Nachsetzzeichen?
Vorsetzzeichen stehen vor dem Basiszeichen und betreffen häufig Einzelteile, Sonderbauformen oder das Material. Nachsetzzeichen folgen danach und beschreiben Abweichungen vom Standard, etwa Käfig, Dichtung, Lagerluft oder Toleranzklasse. Derselbe Buchstabe kann an beiden Positionen Unterschiedliches bedeuten: „S" ist bei NKE ein Käfigmerkmal und steht dort als Nachsetzzeichen.
Kurz gefasst
- Vorsetzzeichen stehen vor dem Basiszeichen (Basis: DIN 623) und kennzeichnen meist ein Einzelteil, ein Sonderlager oder das Material.
- W und S haben keine markenübergreifend feste Bedeutung. Immer zuerst die Marke bestimmen, dann im herstellereigenen System nachschlagen.
- Belegte Beispiele: NKE
L= separater Ring,R= Ring mit Rollensatz,WS/GS= Wellen-/Gehäusescheibe; NTN-Vorsetzzeichen für rostfreien Stahl sowieTS2-/TS3-/TS4-für Maßstabilisierung. - Vorsicht: „S" kann auch ein Nachsetzzeichen sein. Bei NKE steht es für ein Käfigmerkmal. Position und Marke entscheiden.
- Schnellweg: Marke bestimmen, dann Zeichen im Katalog oder im Nachsetzzeichen-Glossar prüfen.
