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Lagerbezeichnungen lesen – Aufbau, Bohrungskennzahl und Suffixe

Eine Wälzlagerbezeichnung wie 6205-2RSR-C3 ist kein willkürlicher Code, sondern folgt einem festen Aufbau. Wer ihn kennt, liest aus der Bezeichnung Bauform, Abmessungen, Dichtung, Lagerluft und Käfig ab – ohne Datenblatt. Dieser Überblick erklärt die Bausteine. Für ein konkretes Zeichen am Stück hilft das Nachsetzzeichen-Glossar.

6205-2RSR/C3 – Bezeichnung entschlüsselt

Wichtig vorab: Der Kern der Bezeichnung – Bauform und Abmessungen – ist über ISO und DIN genormt und damit herstellerübergreifend gleich. Die Nachsetzzeichen (Suffixe) für Dichtung, Lagerluft, Käfig oder Toleranz sind dagegen weitgehend herstellerspezifisch: Dieselbe Eigenschaft trägt bei SKF, FAG, NSK und NTN oft unterschiedliche Buchstaben. Codes ohne Herstellerangabe sind deshalb mit Vorsicht zu lesen.

Der Aufbau: Vorsetzzeichen, Basiszeichen, Nachsetzzeichen

Jede Bezeichnung gliedert sich in drei Teile:

  • Vorsetzzeichen (Präfix): steht vor der Hauptnummer und kennzeichnet einzelne Lagerteile, Sonderwerkstoffe oder Sonderbauarten.
  • Basiszeichen: die Hauptbezeichnung. Sie gibt Grundtyp, Maßreihe und Bohrungskennzahl an – bei Schrägkugellagern zusätzlich den Druckwinkel.
  • Nachsetzzeichen (Suffix): stehen hinter der Hauptnummer und beschreiben Abweichungen vom Standard – Dichtung, Käfig, Lagerluft, Toleranzklasse, Schmierung.

Das Basiszeichen ist der genormte, herstellerübergreifend einheitliche Kern. Vor- und Nachsetzzeichen sind der Teil, der sich von Hersteller zu Hersteller unterscheidet.

Das Basiszeichen: Maßreihe und Lagerart

Die erste Stelle (bei Rillenkugellagern die 6) steht für die Lagerart. Die folgenden Ziffern bilden die Maßreihe – zusammengesetzt aus Breitenreihe und Durchmesserreihe. Sie legt fest, welcher Außendurchmesser und welche Breite zu einer gegebenen Bohrung gehören. Bei 6205 etwa bezeichnet die 2 die Durchmesserreihe; 6305 mit Durchmesserreihe 3 ist bei gleicher Bohrung außen größer und breiter und trägt höhere Lasten.

Buchstaben am Anfang treten bei Zylinderrollenlagern auf und beschreiben die Bordführung: NU (Innenring bordlos), N, NJ, NUP, NF. Diese Kurzzeichen sind herstellerübergreifend gleich.

Die Bohrungskennzahl: mal 5 rechnen

Die beiden letzten Ziffern der Hauptnummer sind die Bohrungskennzahl. Für Bohrungen ab 20 mm gilt eine einfache Regel: Bohrungskennzahl × 5 = Bohrungsdurchmesser in Millimetern.

  • 6205 → 05 × 5 = 25 mm Bohrung
  • 6210 → 10 × 5 = 50 mm Bohrung
  • NU2336 → 36 × 5 = 180 mm Bohrung

Unterhalb von 20 mm gilt die ×5-Regel nicht. Vier Bohrungen haben feste Sonderkennzahlen:

  • 00 = 10 mm
  • 01 = 12 mm
  • 02 = 15 mm
  • 03 = 17 mm

So bedeutet 6002 eine 15-mm-Bohrung, nicht 10 mm. Für Bohrungen unter 10 mm wird der Durchmesser teils direkt oder durch einen Schrägstrich angegeben.

Präfixe: Sonderwerkstoff und Einzelteile

Vorsetzzeichen kennzeichnen vor allem zwei Dinge: einzelne Bauteile separabler Lager und besondere Werkstoffe.

  • Einzelteile: L für einen losen Ring (etwa LNU314), IR für den separaten Innenring eines Nadellagers, bei SKF K für einen Einzelring eines zerlegbaren Lagers.
  • Nichtrostender Stahl: Hier weichen die Hersteller ab. SKF stellt ein W voran (z. B. W 6205), FAG ein S (z. B. S6205), NTN verwendet F-. Das Vorsetzzeichen für Edelstahl ist also herstellerspezifisch – siehe dazu den Beitrag Präfix W und S: nichtrostende Lager.

Nachsetzzeichen für Dichtung

Die Dichtungssuffixe sind die häufigste Stelle, an der sich Hersteller unterscheiden. Grundsätzlich gilt:

  • Deckscheibe (Z, 2Z / ZZ): Blechscheibe, berührungsfrei. Staubschutz, geringe Reibung. Z = einseitig, 2Z (NSK/NTN: ZZ) = beidseitig.
  • Berührende Dichtung: Dichtlippe schleift am Innenring, dichtet wirksamer, erzeugt aber mehr Reibung. SKF RSH/2RSH bzw. RS1/2RS1, FAG RSR/2RSR, NSK DU/DDU, NTN LU/LLU.
  • Berührungsfreie Dichtung (Spaltdichtung): dichtet besser als eine Deckscheibe, ohne zu schleifen. SKF RZ/2RZ, NSK V/VV, NTN LB/LLB.

Welcher Code für welche Bauart steht und wann berührend oder berührungsfrei sinnvoll ist, erklärt der Beitrag 2RS, 2RSR, 2Z: Dichtungs-Suffixe.

Nachsetzzeichen für Lagerluft

Die radiale Lagerluft wird mit dem C-Code angegeben – und das ist eines der wenigen Suffixe, das über alle Hersteller hinweg gleich gebraucht wird:

  • C2 = kleiner als normal
  • CN = Standard (wird meist nicht angeschrieben)
  • C3 = größer als normal
  • C4 = größer als C3, C5 = größer als C4

CM ist eine engere Sonderluft für Elektromotoren. Größere Lagerluft wählt man bei festen Passungen, hohen Betriebstemperaturen oder schweren Lasten.

Nachsetzzeichen für Käfig

Auch der Käfig wird per Suffix codiert, und auch hier weichen die Hersteller ab:

  • Polyamidkäfig (glasfaserverstärkt): FAG TVH/TVP, SKF TN9, NSK T. Leicht, leise, für hohe Drehzahlen.
  • Massivmessingkäfig: bei SKF, FAG und NSK einheitlich M; bei NTN L1. MA und MB bezeichnen die Führung am Außen- bzw. Innenring.
  • Stahlblechkäfig: SKF J, NTN J. Der Standardkäfig vieler Rillenkugellager.
  • Vollrollig/vollkugelig (ohne Käfig): V – höchste Tragzahl bei niedrigster Drehzahl.

Druckwinkel bei Schrägkugellagern

Bei Schrägkugellagern steckt der Druckwinkel im Basiszeichen oder in einem Suffix – und die Codes sind herstellerspezifisch. B steht bei SKF, FAG und NSK übereinstimmend für 40°. Darunter wird es uneinheitlich: SKF kennt A (30°) und AC (25°), während E bei SKF eine optimierte Innenkonstruktion bezeichnet und keinen Druckwinkel; NSK nutzt A für 30°, C für 15° und A5 für 25°. Ein Winkelcode ohne Herstellerangabe ist daher nicht eindeutig.

Die Lageranordnung ist dagegen genormt: DB = O-Anordnung (Rücken an Rücken), DF = X-Anordnung (Gesicht an Gesicht), DT = Tandem. Diese Kürzel gelten herstellerübergreifend.

Was die Bezeichnung nicht verrät

Aus dem Basiszeichen lassen sich Bauform und Hauptabmessungen sicher ableiten – das ist genormt. Bei allem, was im Suffix steht, lohnt der Blick auf den Hersteller: Dieselbe Eigenschaft trägt je nach Marke ein anderes Kürzel, und nicht jeder Buchstabe bedeutet bei jedem Hersteller dasselbe. Was ein einzelnes Nachsetzzeichen bedeutet, schlagen Sie im Nachsetzzeichen-Glossar nach.

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