
Kurz gesagt
Die Schmierfrist ergibt sich nicht aus einer Faustformel, sondern aus dem Herstellerdiagramm für Lagerart und Drehzahl – dieser Grundwert wird dann angepasst: heißer, höher belastet oder stärker verschmutzt, desto kürzer. Hintergrundinformationen liefert der Hauptartikel Schmierung von Wälzlagern.
Was die Schmierfrist wirklich steuert
Ausgangspunkt ist immer ein Diagramm des Lagerherstellers. Es ist über zwei Eingangsgrößen aufgespannt: Lagerart und Drehzahl. Rillenkugellager, Zylinderrollenlager und Pendelrollenlager verhalten sich dabei unterschiedlich – nicht alle Kurven liegen gleich. Bei FAG wird der Grundwert tf über den lagerspezifischen Drehzahlkennwert kf · n · dm bestimmt: Lagertyp-Faktor mal Drehzahl mal mittlerem Lagerdurchmesser (d + D)/2. Schnellere und größere Lager verbrauchen das Fett früher, das sieht man im Diagramm sofort.
Dieser Grundwert gilt nur unter Referenzbedingungen. NSK nennt diese konkret: hochwertiges Lithiumseifen-Mineralölfett, Lagertemperatur 70 °C, normale Belastung mit P/C = 0,1. Sobald eine dieser Größen abweicht, muss die Frist korrigiert werden.
Vom Grundwert zum realen Intervall
- Lagerart und DrehzahlGrundwert der Schmierfrist aus dem Herstellerdiagramm ablesen (FAG: über kf·n·dm)
- TemperaturBei NSK: über 70 °C je +15 °C Anstieg die Schmierfrist halbieren
- BelastungHöheres P/C verkürzt das Intervall (Korrekturfaktor des Herstellers)
- Umgebung und BewegungVerschmutzung, Schwenkbetrieb, senkrechte Welle und Vibration verkürzen zusätzlich
Korrekturfaktoren – was wirklich zählt
Temperatur ist der stärkste Hebel. Nach NSK gilt: Steigt die Lagertemperatur über 70 °C, ist für je weitere 15 °C die Frist zu halbieren. FAG bildet denselben Effekt über einen Temperaturfaktor KT ab, der aus einem Diagramm abgelesen wird. Beide Regeln gelten nur bis zur oberen Gebrauchstemperatur des verwendeten Fettes – wer darüber kommt, muss den Schmierstoff wechseln.
Belastung wirkt über das Verhältnis von Last zu Tragzahl. NSK gibt konkrete Belastungskoeffizienten an: Bei P/C ≤ 0,06 verlängert sich die Frist auf das 1,5-Fache, bei P/C = 0,13 sinkt sie auf 0,65, bei P/C = 0,16 auf 0,45. Liegt P/C über 0,16, empfiehlt NSK die direkte Rücksprache. FAG erfasst denselben Zusammenhang über den lastabhängigen Faktor KP.
Schwenkbetrieb und Umgebung kürzen das Intervall weiter. Bei FAG ergänzt ein Faktor KR für Schwenkbetrieb (Pendeln belastet das Fett stärker als kontinuierliches Drehen) und ein Umgebungsfaktor KU für Feuchtigkeit, leichte Erschütterungen und Stöße. Wichtig: Wenn das Fett das Lager verlassen kann, bei senkrechter Welle, bei Verunreinigung oder Wassereintritt und bei Lagern ohne Dichtung ist die Berechnung nach FAG generell unzulässig. Hier führt kein Weg an Versuchen unter Einsatzbedingungen vorbei.
Nachschmieren sollte – wenn gefahrlos möglich – am betriebswarmen, drehenden Lager erfolgen, bis ein frischer Fettkragen am Dichtspalt austritt. Das Nachschmierfett muss mit der Erstfüllung verträglich sein.
Diagramme und Korrekturfaktoren unterscheiden sich je nach Hersteller. Ob Fett oder Öl die richtige Schmierungsart ist, klärt der Ratgeber Fett oder Öl.
FAQ
Gibt es ein festes Nachschmierintervall in Stunden?
Nein. Ein verlässliches Intervall ergibt sich erst aus dem Diagramm des Lagerherstellers für die konkrete Lagerart und Drehzahl, korrigiert um Temperatur, Belastung und Umgebung. Eine pauschale Stundenzahl ohne diese Eingangsgrößen ist nicht belastbar.
Wie stark verkürzt eine höhere Temperatur die Schmierfrist?
Nach NSK gilt eine Lagertemperatur von 70 °C als Referenz. Steigt sie darüber, ist die Schmierfrist für je weitere 15 °C Anstieg zu halbieren. FAG bildet denselben Zusammenhang über einen aus dem Diagramm abgelesenen Temperaturfaktor KT ab – beide Ansätze gelten nur bis zur oberen Gebrauchstemperatur des Fettes.
Wann lässt sich die Schmierfrist gar nicht berechnen?
Nach FAG ist die Berechnungsmethode unzulässig, wenn das Fett das Lager verlassen kann, bei senkrechter Welle, bei Verunreinigung oder Wassereintritt sowie bei Lagern ohne Dichtung. In diesen Fällen muss das Intervall durch Versuche unter Einsatzbedingungen ermittelt werden.
Kurz gefasst
- Die Schmierfrist startet als Grundwert aus dem Herstellerdiagramm über Lagerart und Drehzahl (FAG: kf · n · dm).
- Referenzbedingungen nach NSK: Lithiumseifen-Mineralölfett, 70 °C, P/C = 0,1.
- Temperatur halbiert die Frist (NSK: je +15 °C über 70 °C); Belastung, Schwenkbetrieb und Umgebung kürzen zusätzlich.
- Korrekturfaktoren und Diagramme sind herstellerspezifisch – nie brandübergreifend übernehmen.
- Nachschmieren mit 50–80 % der Erstfüllmenge; senkrechte Welle, Schmutz oder fehlende Dichtung machen die Berechnung unzulässig.
