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Zoll-Kegelrollenlager lesen: Konus und Schale

Eurobearing15. September 2026Lagerbauarten6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Bei einer Zoll-Bezeichnung wie LM11749/LM11710 steht vor dem Schrägstrich die Nummer des Konus (engl. cone: Innenring mit Rollen und Käfig), dahinter die Nummer der Schale (engl. cup: Außenring). Beide Teile haben eigene Nummern. Zusammen passen sie, wenn Vorsetzzeichen, Winkelkennzahl und Baureihe übereinstimmen. Eine Schale allein ist kein lauffähiges Lager.

Zwei Teile, zwei Nummern

Innenring, Kegelrollen und Käfig bilden eine Baugruppe, die sich vom Außenring trennen lässt. Deshalb erhalten Konus und Schale bei Zoll-Kegelrollenlagern in der Regel eigene Nummern. Metrische Lager nach ISO tragen dagegen eine Nummer für das ganze Lager. Die Zoll-Systematik legt die American Bearing Manufacturers Association (ABMA) fest. Grundlagen zu Bauart, Druckwinkel und Anstellung erklärt der Ratgeber Kegelrollenlager.

Die Bezeichnung zerlegen

LM11749/LM11710 – Bezeichnung entschlüsselt

Nach der ABMA-Systematik, wie sie NTN und Timken beschreiben, besteht eine Teilenummer aus fünf Abschnitten:

  • Vorsetzzeichen (Lastklasse): Die Stufen EL, LL, L, LM, M, HM, H, HH und EH reichen von leichten bis zu schweren Lasten. Ein „J“ am Anfang kennzeichnet Ringe mit metrischen Maßen und Toleranzen im ABMA-Schema.
  • Winkelkennzahl: Die erste Ziffer gibt den Bereich des eingeschlossenen Außenringwinkels an, also des doppelten Druckwinkels.
  • Baureihe: Nach Timken folgen zwei oder drei Ziffern. Eine Baureihe umfasst Lager mit gleicher Innengeometrie, also gleicher Rollengröße und gleichen Ringwinkeln.
  • Komponentennummer: Die letzten beiden Ziffern. Nach NTN steht 10 bis 19 für die Schale und 30 bis 49 für den Konus.
  • Nachsetzzeichen: Je nach Hersteller ein bis drei Buchstaben für Änderungen an Außenform oder Innenaufbau.

Die Bedeutung einzelner Nachsetzzeichen schlagen Sie im Nachsetzzeichen-Glossar nach. Den Aufbau vollständiger Bezeichnungen erklärt der Ratgeber Lagerbezeichnungen lesen.

Beispiele Schritt für Schritt

Beispiel 1: LM11749/LM11710 als Paar

Die Endung 49 kennzeichnet den Konus, die Endung 10 die Schale. Beide Nummern beginnen mit LM117, also gleiche Lastklasse, Winkelkennzahl und Baureihe. Das Paar ist schlüssig.

Beispiel 2: HM522649 und JHM522649

Timken erläutert das Schema an HM522649:

HM522649 – Bezeichnung entschlüsselt

Die passende Schale trägt dieselbe Folge HM5226 mit einer Komponentennummer zwischen 10 und 19. Die genaue Nummer entnehmen Sie den Herstellerunterlagen. JHM522649 hat denselben Aufbau mit vorangestelltem J. Bohrung, Außendurchmesser und Breite sind hier metrisch bemaßt und toleriert. Das J ist also wesentlich und darf beim Vergleich nicht wegfallen.

Beispiel 3: Einzelnummer ohne Gegenstück

HM89448 zerlegt sich in HM, Winkelkennzahl 8 (36° bis unter 45°), Baureihe 94 und Komponentennummer 48. Die Nummer bezeichnet also einen Konus. JM734410 zerlegt sich in J, M, Winkelkennzahl 7 (32°30′ bis unter 36°), Baureihe 344 und Komponentennummer 10. Die Nummer bezeichnet eine metrisch bemaßte Schale. In beiden Fällen brauchen Sie das Gegenstück mit gleichem Vorsetzzeichen, gleicher Winkelkennzahl und gleicher Baureihe.

Welche Teile zusammenpassen

Timken nennt die Regel ausdrücklich: Jeder Konus samt Rollensatz passt zu jeder Schale derselben Baureihe, sofern der Lagertyp gleich ist. Für die Prüfung bedeutet das:

  1. Vorsetzzeichen, Winkelkennzahl und Baureihe vergleichen. Sie müssen übereinstimmen. Laut Timken sind Ringe mit den Vorsetzzeichen L, HM, H oder HH nicht mit Ringen austauschbar, die nur dieselbe Grundnummer tragen.
  2. Komponentennummer prüfen. Eine Nummer muss den Konus bezeichnen, die andere die Schale.
  3. Nachsetzzeichen beachten. Bei Timken bedeutet A an der Schale zum Beispiel einen abweichenden Außendurchmesser, eine abweichende Breite oder einen abweichenden Radius. B bezeichnet dort eine Schale mit Flansch, die nicht mit der Grundnummer austauschbar ist.

Ältere Timken-Baureihen ohne ABMA-Schema folgen einer anderen Logik. So verwenden die Reihen 595 und 525 dieselbe Rolle. Die Reihe 595 hat aber einen steilen Winkel mit 24 Rollen, die Reihe 525 einen flachen mit 15 Rollen. Meist hat dort die Schale die niedrigere Nummer als der Konus, es gibt aber Ausnahmen.

Verschlissenes Teil ohne lesbare Nummer

Messen Sie am Konus die Bohrung und die Breite, an der Schale den Außendurchmesser und die Breite. Zoll-Lager sind in Zoll bemaßt, Ringe mit J-Vorsetzzeichen dagegen metrisch. Zollmaße rechnen Sie mit dem Einheitenrechner in Millimeter um. Maße allein legen die Baureihe aber nicht fest, denn gleiche Bohrungen gibt es mit unterschiedlichen Winkeln und Innengeometrien. Bestätigen Sie die Baureihe deshalb vor der Bestellung mit den Herstellerunterlagen.

Wie Hersteller die Nummern schreiben

Die ABMA-Nummer bleibt gleich, die Schreibweise unterscheidet sich je nach Hersteller:

  • FAG (Schaeffler): Zoll-Kegelrollenlager nach ANSI/ABMA 19.2 tragen das Vorsetzzeichen K, metrische Lager nach ANSI/ABMA 19.1 das Vorsetzzeichen KJ. Innenringbaugruppe und Außenring werden getrennt nach ABMA bezeichnet.
  • NTN: Das Vorsetzzeichen 4T- steht für die hauseigene Kegelrollenlager-Spezifikation. In der NTN-SNR-Liste steht -G für den Innenring mit Rollen und Käfig ohne Schale und #G für den Außenring allein.
  • Timken: Baugruppennummern wie LM48548-902A7 bestehen aus der Konusnummer und einem fünfstelligen Code für die Stückliste.

Herstellercodes gehören nicht zur ABMA-Grundnummer.

Einzelteile bestellen und einbauen

Trägt ein Artikel nur eine Teilenummer, handelt es sich in der Regel um einen einzelnen Konus oder eine einzelne Schale. Bestellen Sie das Gegenstück dazu, oder stellen Sie sicher, dass das eingebaute Teil zur Baureihe passt.

Nach dem Tausch ist die Einstellung neu festzulegen. Gemeint ist das axiale Spiel zwischen Rollen und Laufbahn. Es entsteht beim Einbau, indem ein Ring axial gegen den anderen verschoben wird. Feste Passungen verringern dieses Spiel ungefähr um das Maß, um das die Lagerbreite zunimmt. Bei Schalen, die über Beilagen eingestellt werden, ändert das die Beilagendicke. Ab Werk voreingestellte Baugruppen bestellen Sie bei Timken immer unter derselben Baugruppennummer. Das Vorgehen beim Einstellen beschreibt der Ratgeber Kegelrollenlager.

Timken nennt für Zoll-Kegelrollenlager die Toleranzklassen 4 und 2 als Standard, 3, 0, 00 und 000 als Präzisionsklassen. Manche Größen fertigt Timken nur als abgestimmte Baugruppe. Metrische Kegelrollenlager folgen einer eigenen Bezeichnung, siehe Reihen 302, 320 und 322.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Konus und Schale beim Kegelrollenlager?

Der Konus ist der Innenring, der zusammen mit Kegelrollen und Käfig eine Baugruppe bildet. Die Schale ist der separate Außenring. Bei Zoll-Kegelrollenlagern trägt jedes Teil eine eigene Nummer.

Kann ich nur die Schale eines Zoll-Kegelrollenlagers bestellen?

Ja. Schalen und Konen werden häufig einzeln angeboten, erkennbar an nur einer Teilenummer im Artikel. Eine Schale ist aber kein vollständiges Lager, weil Rollen und Käfig zum Konus gehören. Bestellen Sie den passenden Konus dazu, oder prüfen Sie, ob der eingebaute Konus zur Baureihe der Schale passt.

Woran erkenne ich, ob eine Nummer ein Konus oder eine Schale ist?

Nach der ABMA-Systematik entscheiden die letzten beiden Ziffern: 10 bis 19 bedeutet Schale, 30 bis 49 bedeutet Konus. LM11710 ist also eine Schale, LM11749 ein Konus. Bei anders aufgebauten Nummern, etwa älteren Timken-Reihen, geben die Herstellerunterlagen Auskunft.

Was bedeuten L, LM, M und HM in der Bezeichnung?

Diese Vorsetzzeichen geben die Lastklasse an. In der Reihenfolge EL, LL, L, LM, M, HM, H, HH und EH reichen sie von leichten bis zu schweren Lasten. Herstellercodes wie 4T- bei NTN oder K bei FAG sind davon zu unterscheiden.

Welcher Konus passt zu welcher Schale?

Laut Timken passt jeder Konus zu jeder Schale derselben Baureihe, sofern der Lagertyp gleich ist. Vorsetzzeichen, Winkelkennzahl und Baureihe müssen übereinstimmen. Außerdem sollten Sie die Nachsetzzeichen prüfen, weil sie etwa Außendurchmesser oder Flansch der Schale verändern können.

Muss ich ein Kegelrollenlager nach dem Tausch neu einstellen?

Ja. Die Einstellung, also das axiale Spiel zwischen Rollen und Laufbahn, entsteht erst beim Einbau durch axiales Verschieben eines Rings. Nach dem Tausch muss sie neu festgelegt werden.

Kurz gefasst

  • Vor dem Schrägstrich steht der Konus, dahinter die Schale.
  • Die Komponentennummer 10–19 bedeutet Schale, 30–49 bedeutet Konus.
  • Konus und Schale passen zusammen, wenn Vorsetzzeichen, Winkelkennzahl und Baureihe gleich sind. Nachsetzzeichen können die Außenmaße ändern.
  • Ein J kennzeichnet metrisch bemaßte Ringe. Zollmaße eines verschlissenen Teils rechnen Sie in Millimeter um, die Baureihe bestätigen Sie mit den Herstellerunterlagen.
  • Die Schreibweise hängt vom Hersteller ab, etwa K bei FAG, 4T- bei NTN und -G oder #G bei NTN-SNR.
  • Nach dem Tausch stellen Sie die Einstellung neu ein.